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DOMINION® ist eines der erfolgreichsten und beliebtesten Deckbau-Kartenspielen der Spielewelt. Es gilt sogar als „Mutter aller Deckbauspiele“, da es dieses sehr beliebte Spielprinzip 2008 quasi „erfand“ und 2009 in Deutschland als Spiel des Jahres ausgezeichnet wurde. Das Strategiespiel, das mittlerweile bei ASS Altenburger im Vertrieb ist, wird vom Autor Donald X. Vaccarino regelmäßig um neue Erweiterungen ergänzt. Diese erhöhen die Komplexität des Spielgeschehens und sorgen so für mehr Abwechslung. Mittlerweile sind wir bei 13 Erweiterungen, was für ein Spiel echt sehr, sehr viel ist. Das beweist wie beliebt und populär das Spiel weltweit ist. Jede Erweiterung dreht sich um ein spezielles Thema und führt teilweise ganz neue Kartenarten und sogar Spielphasen ein, die dem Spiel immer neue Wendungen und Kniffe verpassen.

Unser Interviewpartner Jürgen Valentiner-Branth an seinem Arbeitsplatz.
Unser Interviewpartner Jürgen Valentiner-Branth an seinem Arbeitsplatz.

Die nächste Erweiterung Menagerie erscheint auf Deutsch dieses Jahr im August. Hier dreht sich dieses Mal alles um Tiere, wie schon der Name andeutet. Denn der Name ist bei Dominion immer „Programm“. Menagerie bringt 400 neue Karten inklusive 20 Ereignisse und sogar eine ganz neue Kartenart, die erstmals in Menagerie eingeführt wird – die Wege. 400 Karten –  das ist eine ganze Menge, entsprechend gehen der Veröffentlichung einer sogenannten Lokalisierung, d.h. die Umarbeitung eines anderssprachigen Spiels ins Deutsche viele Arbeitsschritte voraus. Jemanden, der sich mit dieser Vorarbeit bestens auskennt, möchte ich euch heute vorstellen: Jürgen Valentiner-Branth. Als externer Redakteur für Dominion unterstützt er unser Produktmanagement bei ASS Altenburger.

  • Lieber Jürgen, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst und uns ein paar Einblicke in die Produktentwicklung von DOMINION® Menagerie gibst. Du bist also verantwortlich für die Erstellung von 400 Kartentexten für 400 neue Karten, kann man das so sagen?

Als Redakteur habe ich ja nicht die Aufgabe, die Karten zu erfinden oder neu zu texten. Denn die Erweiterung Menagerie wurde vom Autor und Erfinder Donald X. Vaccarino getextet und von den Kollegen bei Rio Grande Games redaktionell bearbeitet. Nun gilt es für mich, aus dem englischen Originaltext die Karten- und Anleitungstexte für die deutsche Ausgabe zu erstellen.
Es geht dabei allerdings nicht nur um eine einfache Übersetzung. Denn bei DOMINION kann man grundsätzlich jede Karte jeder Erweiterung auch mit jeder anderen bisher erschienenen Karte kombinieren. Und durch die schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich sehr viele, komplizierte Ansprüche an die deutschen Texte. So müssen einzelne Wörter wie „nehmen“, „ablegen“ oder „Kauf“ exakt so benutzt werden, wie sie schon bei den Hunderten bisheriger Karten benutzt wurden. Kommen neue Spielmechanismen oder Materialien bei einer Erweiterung hinzu (wie bei Menagerie z. B. die Exil-Tableaus, auf die man Karten verbannen kann), müssen deutsche Ausdrücke gefunden werden, die spontan und eindeutig die beabsichtigte Anweisung ausdrücken, sich aber auch gut von den bisher benutzten Ausdrücken abgrenzen. Puh, das klingt schon ganz schön nach Haarspalterei 🙂
Ja, da geht es dann manchmal relativ kleinkariert zur Sache, wenn ich mit meiner sehr erfahrenen Kollegin Katrin Schlegel (verantwortlich für das Programm-Management bei ASS) und unseren DOMINION®-Feedbackfans z. B. diskutiere, ob wir eher die Formulierung „zur Seite gelegte Karte“ oder „beiseite gelegte Karte“ verwenden sollten. Ist eine Karte, die „aus dem Spiel“ gegangen ist, „nicht mehr im Spiel“ oder ist sie einfach nur „nicht im Spiel“? Was ist der Unterschied zwischen dem „Spielen“ einer Karte und dem „Ausspielen“ derselben? Ja, ich gebe zu, hin und wieder schaut meine Frau mich beim Mittagessen etwas erstaunt von der Seite an, wenn ich ihr von manchen Details der DOMINION®-Texte erzähle.

  • Worauf kommt es bei der Erstellung der Texte deiner Meinung nach besonders an?

Das Wichtigste ist wohl, dass wir exakt das Spiel umsetzen, das der Autor beabsichtigt hat. Donald X. lebt seit vielen Jahren mit diesem Spiel und hat bei jeder Erweiterung bestimmte Ziele, mit denen er die DOMINION®-Welt lebendig und spannend halten möchte. Und er weiß am besten, welche Auswirkungen welche Arten von Karten zu welchem Zeitpunkt haben. Dieses optimale Gefüge exakt ins Deutsche zu übertragen, damit die deutschen Spieler genau das Spielvergnügen haben, das Donald X. vermitteln möchte, ist mein oberstes Ziel.
Auf dem Weg dorthin muss ich darauf achten, dass alle Anleitungsdetails vollständig erwähnt sind, die Texte möglichst anschaulich und verständlich formuliert sind. Außerdem dass wir Beispiele auch an Stellen liefern, an denen in der englischen Version vielleicht keine Beispiele sind. Dass es keine Dopplungen bei den Kartenbezeichnungen oder bei den empfohlenen Kartensätzen gibt, dass die von uns gewählten Kartennamen sehr gut zu den Illustrationen passen, die wir als Vorgabe bekommen. Oder dass neu eingeführte Begriffe (wie z. B. „verbannen“ in Menagerie) gut erklärt werden und dass möglichst alle Möglichkeiten an Kartenkombinationen mit dem Regeltext abgedeckt sind, was natürlich im Laufe der Jahre immer schwieriger wird.

  • Da klingt wirklich komplex, aber es klingt auch so als hättest du dich da richtig reingefuchst. Deshalb würde mich noch interessieren, was sind deiner Meinung nach neben der Sprache die größten Unterschiede zwischen der deutschen und amerikanischen Version?

Zunächst einmal haben wir versucht, der Anleitung etwas mehr „Struktur“ zu geben. Aus unserer Erfahrung tickt ein deutscher Spieler etwas anders als ein amerikanischer – er wünscht mehr Struktur, um sich in der Anleitung sofort zurecht zu finden. Das zeigt sich zum einen darin, dass wir die Spielmaterialien zum Einstieg kategorisieren und mit Bild abdrucken. Das amerikanische Original beschränkt sich darauf, die Materialien aufzuzählen. Außerdem geben wir den Erklärungen deutlich mehr Zwischenüberschriften, so dass das gezielte Suchen von Informationen (z.B. wenn es eine Meinungsverschiedenheit im Spiel gibt) einfacher von statten geht. Außerdem haben wir versucht, die deutsche Anleitung mit mehr grafisch unterlegten Beispielen zu versehen. Das ist gerade bei Dominion sehr wichtig, da die einzelnen Karten auf Grund der Anweisungen auf den Karten sehr verschieden miteinander interagieren und wer kann sich schon die Kartentexte von mittlerweile über 350 verschiedenen Karten (über die 13 Erweiterungen hinweg) merken? Schließlich haben wir hier und da einen erklärenden Satz eingefügt, wo uns die amerikanische Version zu knapp erschien.

Schon das Basisspiel, erst recht die Erweiterungen, bieten eine große Vielfalt an Aktionsmöglichkeiten, was die Lokalisierung von Erweiterung zu Erweiterung immer komplexer macht.
  • DOMINION® ist enorm erfolgreich, seit 2008 am Markt, hat inzwischen 13 Erweiterungen und eine große Fan-Community? Wie bezieht ihr die Community, die natürlich auch Experten für das Spiel sind, bei der Produktentwicklung mit ein? Eben hast du ja bereits die DOMINION®-Feedbackfans angesprochen.

Wir haben Kontakt zu etlichen DOMINION®-Spielern, die buchstäblich jede bisher erschienene Karte kennen. Es ist sehr wichtig für uns, sie von Anfang an bei jeder Entscheidung über knifflige Kartennamen, eventuell notwendige Beispiele und die schier unendlich vielen Regeldetails mit einzubeziehen. Nur wenn man sehr oft DOMINION® spielt wie die Experten, wird man auf eventuelle Konflikte mit anderen Karten, zunächst ungeklärte Sachverhalte in der Anleitung oder feine Potentiale für Widersprüche zwischen verschiedenen Erweiterungen aufmerksam. Teilweise stehen die Experten selbst mit dem Autor Donald X. Vaccarino in Kontakt und verfolgen jeden seiner englischen Blogbeiträge sowie die weltweiten Forumsdiskussionen zum Spiel.
Wir sind extrem dankbar für dieses Know-How und staunen immer wieder, was DOMINION®-Experten alles in Kartentexten und in der Anleitung aufspüren und wie faszinierend verschachtelt das Spielsystem sein kann.

  • Am Ende bin ich, und die Leser sicherlich auch, natürlich neugierig, auf welche Neuerungen wir uns bei Menagerie freuen dürfen. Wie viel kannst du hierzu denn schon verraten?

Neu ist, dass Tiere die Welt unseres DOMINIONS® bereichern. Es gibt zusätzliche Pferde-Karten auf einem extra Pferde-Stapel, die den Spielern vorübergehend Aktionen und Karten geben. Und es gibt die komplett neue Kartenart „Weg“, die auch alle mit einem Tier zu tun haben. Karten wie der „Weg des Eichhörnchens“, der „Weg der Eule“ oder der „Weg der Ratte“ erweitern die Aktionsmöglichkeiten der Spieler, da sie jeweils anstelle einer Aktionskarte benutzt werden können. Das wird jetzt natürlich nur den eingefleischten Dominion-Fans auf den ersten Blick etwas sagen und Vorfreude wecken. Stimmt, aber wer einmal in die Dominion-Welt eingetaucht ist, wird nicht mehr so schnell daraus auftauchen und schnell seine Freude an neuen Kartenarten und Regelvarianten entdecken 😊 Außerdem kehren Ereignisse ins Spiel zurück, die schon in der Abenteuer-Erweiterung für Aufsehen gesorgt haben. Diese 20 neuen Ereignisse bringen noch mehr Möglichkeiten ins Spiel, genauso wie es das Exil-Tableau tut, auf das die Spieler Karten „verbannen“ (Achtung: Neue Spielanweisung!!) und von wo sie Karten wieder zurückholen können.

Also ich bin jetzt schon richtig gespannt auf die neue Erweiterung. Danke, Jürgen, für die vielen neuen Einblicke in das Projekt. Wenn eure Vorfreude auch geweckt wurde, und ihr die Erweiterung als einige der ersten in den Händen halten möchtet, könnt ihr das Spiel ab 1. August bei den Fachhändlern unseres Ausguck-Premium-Programms exklusiv mindestens 1 Monat vor dem öffentlichen Verkaufsstart am 1. September erwerben: www.dominion-welt.de/bezugsquellen. Dort erhaltet ihr auch regelmäßig tolle Goodies und spezielle Sonderangebote – schaut einfach mal vorbei und unterstützt weiterhin eure lokalen Fachhändler vor Ort.

Bis bald,

Eure FelicitASS

PS: Über DOMINION® könnte ich noch ewig weiter plaudern, denn auch ich und meine Familie sind eingefleischte Fans... Vielleicht so viel noch:  Dominion ist ein echtes „Allround-Talent“, wie man oben lesen kann, stecken jede Menge strategische Vielfalt und Abwechslung in dieser Serie – ein Sahnestück für Viel- und Kennerspieler. Aber auch ein toller Tipp für Familien; die Einsteiger-Varianten und das Basisspiel sind schön familienfreundlich und nicht zu komplex – und wenn man einmal drin ist, lässt sich der Schwierigkeitsgrad beliebig steigern. Probiert es aus. Viiiiiieeel Spaß beim Zuhause spielen 😊 #playathome

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